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Stirbt das Wanderlied aus?

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Bevor es im Speziellen um Wanderlieder geht, zunächst ein paar generelle Worte zur Entwicklung der deutschen Gesangskultur. Nachdem es den deutschen Volksliedern mehr oder weniger an den Kragen ging und diese auch kaum noch gelehrt, geschweige denn auswendig gelernt werden, wurde immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig doch das Singen für Leib und Seele sei. Dem zum Trotz verzeichnete man dann einen deutlichen Rückgang an Gesangsunterricht in Kindergärten und Schulen, sodass heute kaum noch ein Jugendlicher unter 20 Jahren noch die 15 bekanntesten Kinderlieder auswendig singen oder ihre Titel benennen kann. „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“ zu singen grenzt ja beinahe auch schon an Sarkasmus, wenn man sich das weltweite Bienensterben ansieht. Vielleicht erinnert sich ja auch noch jemand an das Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“, das sich wohl eher auf die Feldmaikäfer bezog, die in der Tat mittlerweile in Deutschland fast ausgestorben sind.

„Das Wandern ist des … Lust“

Eines der wohl bekanntesten deutschen Wanderlieder, veröffentlicht im Jahre 1821 von Wilhelm Müller, ist wohl der Titel „Das Wandern ist des Müllers Lust“, das von Franz Schubert vertont wurde. Die Punkte im Titel sollten ein wenig zu denken geben, denn das Wandern hat heutzutage mit Müllern beim besten Willen nichts mehr zu tun. Wandern wird typischerweise heute in Bergwandern, Themenwandern, Pilgerrouten-Wandern oder Mehrtages-Wandern eingeteilt. Neu hinzugesellt haben sich das Genuss-Wandern, bei dem es weniger um den sportlichen Aspekt geht, und eine Reihe neuer Begriffe wie „Nordic Walking“, „Geocaching“ und „Speedhiking“, was sicherlich den Markt für verschiedenste neue Schuhe zum Wandern eröffnet. „Geocaching“, eine neue Art der Schnitzeljagd, ist auch nur noch unter Zuhilfenahme eines GPS-Geräts möglich.

Und das Singen?

Nun mag es sein, dass dem Betrachter das subjektive Empfinden einen Streich spielt und die Wanderer das Singen gar nicht gelassen haben, sondern weiterhin gedanklich singen, um Atem zu sparen. Das allerdings scheint doch etwas weit hergeholt, denn irgendwo sollte man die Lieder zumindest mal gehört oder probegesungen haben. Die modernen Wanderarten, die mehr nach gegeneinander, als miteinander wandern anmuten, lassen nicht gerade vermuten, dass Singen ein fester Bestandteil moderner Wanderkultur ist (siehe unten). Vielleicht hören einige Wanderer tatsächlich Wanderlieder auf den Ohrstöpseln, die sie unwiderruflich mit ihren Smartphones verkabeln – wer weiß das schon?

Vergesst die Wanderlieder nicht

Warum machen wir nicht einfach einen Blog mit den schönsten Wanderliedern wie die-wanderfreun.de auf? Wirklich jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen. Wanderlieder haben etwas sehr Schönes. Sie erzählen meist etwas von der Natur, den Jahreszeiten und natürlich vom Wandern. Nur damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten, seien an dieser Stelle noch einmal einige der bekanntesten, deutschsprachigen Wanderlieder aufgelistet:

  • „Im Frühtau zu Berge“
  • „Das „Wandern ist des Müllers Lust“
  • „Wenn die bunten Fahnen wehen“
  • „Auf der Berge grünem Saume“
  • „Bei Morgenluft und Lerchenschlag“
  • „Das Wandern bringt groß Freud“
  • „Aus grauer Städte Mauern“
  • „Auf lasst uns fröhlich wandern“
  • „Auf, auf, ihr Wandersleut“
  • „Mein Vater war ein Wandersmann“

Viele werden sich vielleicht an den einen oder anderen Titel noch erinnern, bezeichnend und sehr traurig ist jedenfalls, dass in der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ (deutschsprachig) noch nicht mal mehr ein Eintrag „Wanderlied“ zu finden ist. Das sollte zu denken geben.