Wandern

Fernwanderwege in den USA: Die dreifache Krone

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Fernwanderwege in Europa sind kaum mit solchen in Nordamerika zu vergleichen. Selbst wenn es in Skandinavien, Teilen der Alpen oder an anderen kleinen Flecken selbst in Europa noch das Gefühl von Natur pur und Einsamkeit gibt, ist es im weiten Amerika doch viel ausgeprägter. Dort müssen Touren nicht nur für ein paar Tage im Voraus geplant werden. Ein langer Wanderweg-Abschnitt ohne Versorgungsmöglichkeit kann schon mal 10 Tage oder 2 Wochen dauern. Noch dazu gibt es Bären, Wölfe, Elche und andere Wildtiere, die man in Europa nur an wenigen Orten zu Gesicht bekommt. Fernwandern in Nordamerika ist also eine ganz andere Liga.

Es gibt insgesamt drei Fernwanderwege, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Einer davon ist der Appalachen-Trail in den Ost-USA. Er geht vom Springer Mountain nördlich von Atlanta bis zum Mount Katahdin in Maine. Dazwischen liegen 3500 km. Der zweite Wanderweg ist der Pacific-Crest-Trail (PCT), was im Deutschen Pazifischer-Gipfel-Weg bedeutet. Er erstreckt sich über mehr als 4000 km an der Westküste der USA entlang der Bergkette von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Der höchste Punkt liegt auf gut 4000 m. Der Dritte im Bunde ist der „Continental Divide Trail“. Wie der Name bereits sagt, schlängelt sich diese Wanderung entlang der kontinentalen Wasserscheide Nordamerikas. Der im westlichen Inland er USA verlaufenden Weg zieht sich über 5000 km ebenfalls von der mexikanischen zur kanadischen Grenze. Der Wanderer bewegt sich hier durchgehend zwischen 1200 m und 4300 m über dem Meeresspiegel.

Es gibt auf jedem dieser Fernwanderwege pro Jahr nur eine überschaubare Anzahl an Personen, die ihn am Stück bewältigen. Es nehmen überhaupt nur 200 Personen im Jahr den Continental Divide Trail in Angriff. Schaffen tut es davon letztendlich nur ein Bruchteil. Die Träger der Dreifachen Krone sind nun die Wanderer, die alle drei vorgestellten Wanderwege jeweils am Stück durchgewandert sind. Von den sogenannten „Triple-Crownern“ gibt es bislang weniger als Leute auf dem Mount Everest waren. Ein Sprichwort sagt: „Entweder läufst du einen oder alle drei, aber niemals zwei.“ Diese Aussage spielt darauf an, dass bislang fast jeder, der zwei der Fernwanderwege gelaufen ist, auch den dritten in Angriff genommen hat. Es ist einfach eine Leidenschaft, nahezu eine Sucht, wenn man einmal Gefallen am Fernwandern in Nordamerika gefunden hat.

Doch was macht den Reiz dieser strapaziösen und durchaus auch gefährlichen Wanderwege aus? Leute, die sie gelaufen sind, sagen, dass es ein unvergessliches Erlebnis ist. Sie berichten von einmaligen Naturerlebnissen, wunderschönen Ausblicken jeden Tag und einer herzlichen Gemeinschaft zwischen den Wanderern. Im Nachhinein werden die Probleme und kleinen Unfälle zu Abenteuern. Was bleibt, sind unvergessliche Eindrücke und lebenslange Freundschaften. Auf so einer langen Wanderung lernt man sich selbst ganz neu und sehr intensiv kennen.